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Freitag, 5. Mai 2017

Tag9 - Plitsch Platsch

Ich habe wirklich gut geschlafen. Bin dennoch recht früh wach. Frühstück habe ich auf 8:00 Uhr bestellt. Also packe ich schon mal meine Sachen zusammen und immer sind es noch 20 min. Ich nutze die Zeit und verstaue mein Gepäck auf der Transe schieße ein Bildchen vom Landgasthaus.


Das Frühstück ist mehr als Ausreichend und wieder viel zu viel. Ich bezahle noch meine Unterkunft und bedanke mich bei der Chefin für das spontane aufnehmen.
Die Wolken hängen tief und dunkel. Ich werde heute mit Sicherheit wieder nass. Also krame ich vor dem Losfahren noch meine Regenklamotten im Koffer nach vorne. Ich suche mir ein willkürliches Ziel im Navi und stelle es auf 100% Nebenstraßen.
Und schon geht es los. Ca 40 km später beginnt es bereits zu tröpfeln. Ich stoppe an einer schicken bewohnten alten Windmühle und schlupfe in meine "Gummihaut". Hoffentlich ist es nur ein kurzer Schauer.


Doch Frau Holle ist mir gar nicht wohlgesonnen. Der leichte Regen geht in Starkregen über und bereits 30 min später spüre ich eine leichte Kühle im Schritt. Grrrr. Und wieder fluche ich vor mir hin. "Warum warst du dir bisher nur immer zu geizig mal vernünfige Regenklamotten zu kaufen."
Bei einem Stop krame ich mein Handy aus der Tasche und werfe einen Blick auf den Regenradar.
Na super! Ich bin mitten drin und es wird wohl erst am Magdeburg besser. Das kann ja was werden.


Also Navi umstellen auf Autobahn vermeiden bis Magdeburg. Ich durchfahre Lübeck bei Regen. Schieße auf der B189 bei Regen bis Magdeburg und bin als ich dort ankomme komplett nass. Wie ich das hasse!
Ich spaziere in einen Supermarkt und hinterlasse eine schöne Wasserspur. Und wie ich an der Kasse stehe habe ich endgültige die Schnauze voll. Ich will jetzt heim. Also ab auf die Autobahn und los.
Regen hat es ab jetzt wirklich kaum noch. Ich nehme mir vor alle Stunde kurz zu pausieren und fahre dann weiter.
Gegen 22:00 erreiche ich Weiden. Ich bremse kurz bei Bene und Marit und hole meine Bankkarte ab. Diese hatte ich auf der Hochzeit vergessen. Ups.
Und so ist es auf die Minute genau 23:58 als ich Zuhause ankomme. Und wieder lasse ich mir mein Ritual nicht entgehen. Ich stelle die Transe ab und wackel in die Bushaltestelle gegenüber und lasse meine Tour nochmal durch den Kopf gehen.
Aber: ich habe meine persönliche Tageskilometerleistung schon wieder gebrochen:


Ich schleife meine zwei Koffer und den Packsack in die Wohnung und gönne mir erstmal eine warme Dusche. Geschafft falle ich in mein Bett und schlafe am Samstag bis fast 10:00 Uhr.

Fazit:
Was eine geniale Woche. So viel Erlebt in den kurzen neun Tagen. Und nächstes Wochenende geht es schon wieder los. Das IZI Meeting in Polen wartet.
Marits&Benes Hochzeit war wirklich genial. Bin gespannt ob sie den Stamm schon geöffnet haben.
Schweden ist wirklich mehr als gedacht ein Mopedland. Man muss einfach die langweiligen Hauptstraßen verlassen. Die Häuser und Landschaft ist an sehr sehr vielen Ecken wie aus einem Bilderbuch. Schweden sieht mich garantiert wieder.


Bis bald,
Tom



Donnerstag, 4. Mai 2017

Tag8 - DK Transit

Ab heute steht wieder Heimreise auf dem Programm. Es ist Donnerstag und ich möchte auf Nebenstraße die nächsten Tage nach Hause gondeln. Autobahnen sollen nicht auf dem Programm stehen. Dazu habe ich mir gestern schon einen groben Plan ausgedacht. Heute bis etwa Flensburg und dort einen Campingplatz am Meer aufsuchen. Am Freitag Abend dann wieder im Osten Deutschlands ein nettes Plätzchen suchen und Samstag Abend die Wohnungstür betreten.

Die Fähre von Helsingborg nach DK ist nur etwa 60 km auf Nebenstraßen entfernt. Also bummel ich langsam los und genieße ein letztes mal Schweden. Ab und an stoppe ich wieder für ein Bildchen.


Am Hafen angekommen ist vor der Fähre eine kleine Baustelle und ich biege auf dem Gelände erstmal falsch ab. Ich nutze den kleinen falschen Abzweig und betrachte erstmal das andere Ufer und den regen Schiffsverkehr nach und von Dänemark.



Ich fahre an den Schalter für Kartenzahlung und ziehe mein Ticket welches wieder um die 23 € kostet. Da sieh an. Brücke und Fähre machen sich also gegenseitig keine Konkurrenz. :-P
Kurz später können wir auch schon auf das Schiff. Diesmal sind auch noch zwei Biker mit an Board. Sie sind gestern über Fehmarn nach Schweden und fahren heute schon wieder zurück. Kurzer Ratsch im Unterdeck und anschließend gehen wir nach oben. Die Überfahrt dauert nicht lange. Ich ziehe wieder auf einen Spaziergang los und fotografiere das Kronborg Slotskirke von der Fähre aus.


Kurz vor dem Anlegen treffen wir uns wieder bei den Mopeds. Das Schiff legt an und wir wünschen uns gegenseitig eine gute Weiterfahrt. Als heutige Tagesaufgabe gebe ich mir ein typisches Dänenhaus zu finden. Und schon bin ich wieder ein einem gemütlichen trott unterwegs und halte ausschau. Je weiter ich mich Richtung Süden bewege umso windiger wird es. Die Sonne beginnt sich auch immer besser hinter einer Wolkendecke zu verstecken.


Und schließlich erreiche ich die nächste große Brücke Storebæltsbroen in Dänemark. Auch diese ist Mautpflichtig (125 dänische Kronen). Die Windbeutel sind prall gefüllt. Zum Glück reiner Rückenwind. Ich habe kaum Windgeräusche am Helm und höre deutlich, dass mein Kettensatz sich dem Ende neigt. Wieder ziehe ich mein Knipse und lege los.



Als ich die Brücke überquert habe, kommt etwas "Trauer" auf. Nur noch einmal Schifferl fahren und schon ist die Hälfte des Tagesziels geschafft. Und schließlich finde ich ein großes Haus das für meinen Geschmack typisch dänisch ist. Knipse raus, Panoramamodus an und feuer frei! :-D


An der Fähre in Bøjden angekommen legt gerade eine ab. Ich knipse noch schnell ein Bild und fahre zum Hafen. Zuerst denke ich mir noch. Ha! Da liegt ja eh noch eine. Wird also nicht all zu lange dauern. 


Nachdem ich mein Ticket am Automaten gezogen habe kommt eine junge, fesche Dame am Rad auf mich zu und fragt mich ob ich denn schon ein Ticket gekauft habe. Ich antworte freundlich und stolz mit einem "Yes". Darauf hin meint sie, dass die nächste Fahrt erst um 17:00 Uhr ablegt und fragt ob ich das Ticket wieder zurück geben möchte und über den Landweg fahren möchte. Nein, lieber warte ich hier artig die zwei Stunden. Also schieße ich ein paar Bilder, krame mein Netbook aus dem Koffer und setze im Warteraum ein paar Panoramas zusammen. Eigentlich wollte ich gegen 17:00 Uhr schon in der Nähe von Flensburg sein. Egal! Ich habe ja Zeit und es ist noch Urlaub. ;-)


Als ich Flensburg angekommen bin, Beschließe ich die Stadt mit dem Moped zu durchqueren und knipse ein Bild am Südermarkt. Ich schicke das Bild im WhatsApp einer Bekannten mit der Frage ob sie wisse wo ich bin. Sie weiß natürlich sofort wo ich bin. Schließlich stammt sie aus Flensburg.
Da es jetzt doch schon recht spät geworden ist und der Himmel stark nach Regen aussieht, beschließe ich mir heute ein Gasthaus zu suchen und in einem Bett zu schlafen. Zudem möchte ich endlich mal wieder etwas warmes essen. Der gute Hochzeitsschmaus vom Samstag ist schon lange verdaut. An einem Supermarkt etwa 15 km außerhalb von Flensburg frage ich ein Paar ob sie mir hier in der Gegend ein gutes Gasthaus zu normalen Preisen empfehlen können. Während der Mann noch überlegt, schießt seine Frau schon los. Klar wisse sie da etwas. Das Landgasthaus Streichmühle in dem gleichnamigen Ort. Ich soll einfach ihnen folgen und wenn sie links abbiegen sei ich auch schon da. Helm auf und ich düse den beiden hinterher. Die Dame hat mit ihrem Twingo einen recht flotten Fahrstil drauf und so bin ich ca 10 min später auch schon da. Ich betrete das Landgasthaus und bin mir nicht so sicher, ob es hier wirklich so günstig ist. Ich frage bei der Dame am Tresen und sie teilt mit mit, dass das Einzelzimmer mit Bad 48 € inkl. Frühstück kostet. Ok, passt schon. Ist ja immerhin Touriland. Ich nehme noch fix eine warme Dusche und gehe zum Abendessen über. Das erste Flensburger ist ruck zuck geleert und ich bestelle ein weiteres. Auf der Karte hat es fast nur einheimische Gerichte. Das gefällt mir. Nur auf Fisch bin ich gar nicht wild. Also frage ich, was denn der Lapskaus sei. Gehört habe ich von dem Gericht schon. Gegessen habe ich es noch nie. Sie teilt mir mit, dass ihr Lapskaus ohne Fisch sei. Also bestelle ich mir diesen. Als er kommt bin ich über den Fleischberg erstaunt. Das schaffe ich nie alles. Waren die letzen Tage meine Portionen doch immer recht klein. Schmecken tut es gut und wer mich kennt, weiß, dass ich den Hering am Beilagenteller nicht angerührt habe. Mögen ihn die Katzen bekommen. :-P


Nach dem dritten Flens ziehe ich ins Bett weiter und schlummer sofort weg. 



Mittwoch, 3. Mai 2017

Tag7 - S Zickzackkurs

Die Nacht war angenehm mild und ich breche schon verhältnismäßig früh auf. Schon um deutlich vor 8:00 Uhr bin ich voll bepackt auf der Straße und düse los.
Ziel des Tages? Offen! Ich will auf jeden Fall nicht nördlicher wie die alte Eiche und möchte Abends wieder in der Nähe der südlichen Küste sein.
Also bewege ich mich erstmal im Zickzack durch die unzähligen Seen westwärts auf Schwedens Nebenstraßen, die es mir wirklich angetan haben.


Ab und an biege ich einfach rechts oder links auf eine der super planierten Schotterpisten und produziere schöne Staubwolken hinter mir.


Ich bin auf der Lauer nach dem für mich absolut typischen Schwedenhaus. Und ich muss auch nicht all zu lange Ausschau halten bis ich eines entdecke. Roter Zaun an der Einfahrt, Fahnenmast vor dem roten Haus und rote Schuppen dahinter. Es ist einfach wie in einem Bilderbuch. Ich kann diese Aussage nicht oft genug wiederholen. :-)


Natürlich schnappe ich auch noch weitere für mich typische Schwedenbilder mit meiner Knipse auf. Die Landschaft ist einfach traumhaft. Einzig ein paar Berge fehlen mir. Doch die kleinen Hugel machen einfach Spaß. Auf den Nebenstraßen scheinen die geltenden Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht ganz so zu gelten. Denn auch hier geben die Schweden schon gerne mal ordentlich Gas. Wobei sie auf den langen geraden Hauptstraßen alle artig ihre 90 km/h fahren. Blitzer werden sehr früh angezeigt und trotzdem fahren sie dort sehr "langsam". Generell sind die Schweden im Verkehr extrem Rücksichtsvoll. Wo bei uns noch sehr viel schnell rausziehen warten sie hier an der Kreuzung artig bis man durch ist obwohl es mit Leichtigkeit frei gewesen wäre.
Was ich eigentlich sagen möchte: Die Hugerl sind der Knaller. Fährt man recht flott über den ein oder anderen hebt es einen schon manchmal leicht aus dem Sattel und man hat wie in der Achterbahn ein Kribbeln im Bauch. :-D





Für Mittags stoppe ich wieder an einem kleinen Supermarkt und decke mich heute mit Köttbullar und Brot ein. Zudem muss mein Colavorrat dringend aufgefüllt werden. Der Verkäufer ist eindeutig ein Zuwanderer. Er begrüßt mich sehr freundlich mit den Worten "you are welcome". Ich schnappe mir noch einen Apfel, den ich sofort beim Verlassen seines Marktes verputze. Zur eigentlichen Mittagspause suche ich mir wieder einen schönen Platz am Ufer. Frisch gestärkt spaziere ich noch ein paar Meter am Wasser entlang und plötzlich schimmert mit etwas aus dem glänzendem Wasser entgegen. Was ist das denn? Da ist wohl im Winter ein Reh im Eis eingebrochen. 



Ich fahre und fahre. Tanken muss ich heute zwei mal. Obwohl der Tank am Anfang des Tages noch gut gefüllt war. Dieses Haus war mir auch ein Bild wert. Toll mit Graffiti bemahlt und der geniale alte Volvo am Hof.


Ich werfe einen Blick auf das Navi wo ich mich denn jetzt eigentlich genau befinde. Ich sollte jetzt langsam mal etwas flotter südlicher kommen. Also gebe ich als heutiges Tagesziel einen 105 km entfernten Campingplatz ein. Und wieder geht es des öfteren einfach nur gerade aus. das Ende einer solchen Gerade ist ab und an kaum zu erkennen.


Am Campingplatz angekommen melde ich mich artig an. Der Herr sitzt vor seinem Wohnwagen direkt bei der Einfahrt. Er spricht sehr gutes Deutsch und sagt mir das der Abschnitt da hinten die Zeltwiese ist. Dort sei es auch in der Früh als erstes schön sonnig. Er kommt nachher vorbei um das geschäftliche zu Regeln. Also stelle ich in aller Ruhe mein Zelt auf uns spaziere zur Inspektionsrunde auf. Am See liegt ein altes abgesoffenes Ruderboot am Ufer und bietet unter dem Baum ein schickes Motiv.


Auf dem Rückweg schlendere ich beim Betreiber vorbei. Er erzählt mir noch, das dieser Platz zum örtlichen Minigolfverein gehört und er seit über 20 Jahren die Finanzen verwaltet. Er wirkt nicht mehr ganz so nüchtern auf mich und ist glaube etwas froh jemanden zum Plaudern gefunden zu haben. Während der 20 min kippt er auch immerhin zwei Bierdosen runter. :-P

Und wieder ... (ein Zelt ein Moped)


Gerne würde ich noch einen Tag länger bleiben. Doch ich habe mir vorgenommen auf der Heimreise die Autobahn zu vermeiden. Morgen nehme ich die Fähre nach Dänemark.



Dienstag, 2. Mai 2017

Tag6 - S Lönneberga

Huch! Als ich aus dem Zelt krieche sind die Transe, meine Koffer und der Rasen vom Nebel des Sees mit etwas Frost überzogen. Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.


Ich schnappe mir mein Handtuch und die Zahnbürste und ziehe zum öffentlichen WC vor. Ich will auch noch ein paar Bildchen von dem Gelände knipsen. Das nette Paar hat es verdient nochmal erwähnt zu werden. Sie betreiben hier den kleinen gemütlichen Campingplatz incl Kanuverleih namens Nordländer Kanotcentre.



Wie ich von der morgendlichen Katzenwäsche zurück komme sitzt die Dame bereits mit einer Tasse Kaffee vor dem Haus und genießt die wärmenden Sonnenstrahlen. Kurz Plausch und dann mache ich mich relaxed daran meine sieben Sachen zu verstauen. Als ich losfahre klingel ich nochmals am Haus und möchte mich für die freundliche Unterkunft bedanken. Doch es kommt niemand mehr zur Türe. Schade. Ich hoffe sie wissen auch so dass es mir bei ihnen super gefallen hat.

Für heute steht für mich das eigentliche Highlight der Tour auf dem Programm. Doch es wird mit Sicherheit später Mittag werden bis ich dort eintreffe. Ich genieße die spitzen Landschaft, die vielen Seen, Schotterstraßen und kurvigen Hügelstraßen durch den Wald. Hier und da stoppe ich für eine kleine Pause und entdecke eine nicht offizielle Crossstrecke. Hier toben sich wohl an und an ein paar Freaks aus. Für die zweite Runde schnalle ich die Koffer ab und gebe auch mal etwas mehr Gas. Moped und Fahrer schwitzen, also kann es jetzt auch weiter gehen.





Für Mittag decke ich mich an einem Supermarkt mit Brot, Scheiblettenkäse und Keksen ein. Ich stoppe an einem Steg und genieße mein kleines Mahl mit einem top Panorama.


Jetzt ist es nicht mehr weit. Noch ein paar Kilometer und schließlich erreiche ich Katthult. Hier wurde vor vielen Jahren die Serie zu Michel von Lönneberga abgedreht. Ich bin gespannt wie Schmit's Katze ob ich die Gebäude noch alle erkenne. Der Hof befindet sich in Privatbesitz und man kann sich auch hier absolut schmerzfrei gegen eine freiwillige Spende umsehen. Das Befahren ist nicht gewünscht und so lege ich meine Jacke und Helm neben dem Moped ab und stapfe los. Ist das toll! Sofort fallen mir wieder einige Streiche ein und ich erwische mich wie ich fröhlich vor mich hergrinse. Jetzt aber mal ein paar Bildchen:





Von unten versuche ich alle Gebäude auf ein Panorama zu bannen und knipse durch den derzeit leider verschlossenen Schuppen in dem Michel immer zur Strafe eingesperrt wurde. In den Regalen stehen noch immer die ganzen Holzfiguren.



Als ich mich gerade auf den Weg zum Parkplatz mache kommt mir ein junges Paar entgegen. Sie sind auch aus D und sind derzeit mit einem Mietwagen unterwegs. Sie erzählen mir, dass Bullerbyn nicht weit weg von hier ist. Dies ist ja auch ein Drehort von Astrid Lindgren zu der Serie Wir Kinder von Bullerbü. Ich zücke mein Handy und suchen den Ort im Maps. Tatsächlich. Nicht weit weg. Zuvor möchte ich allerdings noch die älteste Eiche Schwedens besuchen. Diese ist auch nur ein paar Kilometer weiter. Ein Arbeitskollege gab mir den Tipp.


Noch während diesem kurzen Zwischenstopp beschließe ich, dass dies ein super Punkt ist und ich auf dieser Tour nicht weiter nördlicher möchte. Stattdessen möchte ich morgen einfach mal nur Fahren. Einfach im Zickzack über die schönen waldigen kleinen Straßen und Pisten donnern und sehen was am Wegesrand so alles ins Blickfeld schießt. Irgendwie hoffe ich einen Elch zu sehen. Ich bin mir aber sicher, dass dieser Wunsch nur mit gaaaaanz viel Glück in Erfüllungen gehen wird.

Kurz später bin ich dann auch schon in Bullerbyn und die drei Häuser kommen mir sofort bekannt vor. Klasse. Auch diese Häuser sind inzwischen in Privatbesitz. Eine Frau ist gerade mit dem Frühjahrsputz beschäftigt und sie winkt mir freundlich zu.



So viel Spuren von Astrid Lindgren heute. Schön zu sehen, dass diese Orte noch immer existieren und auch noch sofort als diese zu erkennen sind. Aber wohin denn jetzt? Ich habe aufgrund meines Beschlusses bei der Eiche kein weiteres Tagesziel mehr. Ich gebe also keines in mein Navi ein und fahre einfach mal frei Schnauze los.


Und zum späten Nachmittag das alte Spiel. Wo ist ein Campingplatz bei dem ich mich niederlassen kann. Schnell ist einer gefunden und auch hier bin ich, wie gehabt, der einzige mit Zweirad und Zelt.
An der Rezeption hängt ein Zettel, dass diese von 20:00 bis 21:00 besetzt ist. Ich frage an einem Camper ob dies stimmt und die Frau gibt dem Zettel recht. Also schlage ich schon mal mein Zelt auf und gehe 30 min später zur Rezeption. Der alte Besitzer verlangt meinen Perso und kritzelt richtig altmodisch alle Daten in ein Buch, schreibt eine Quittung mit Pauspapier und auch hier kann ich mit Visa zahlen. Die Schwenden sind hier ganz anders als wir. Sie zahlen alles mit dem Plastikgeld. Sogar wenn sie sich ein Eis am Stil am Imbiss kaufen. Anschließend zieh ich los zum Waschhaus und genieße wieder die letzten Sonnenstrahlen bei einem kleinen Abendschmaus.


Morgen ist dann schon wieder mein letzter Tag in Schweden. Schade. Aber ich denke mir wie immer: "Das war nicht mein letzter Besuch. Schweden wird mich wieder sehen."



Montag, 1. Mai 2017

Tag5 - S

Guten morgen zusammen,

die Nacht war angenehm ruhig und nicht so kalt wie gedacht. Ich krieche gegen 7:00 aus meinem Zelt und bewege mich langsam zum Waschhaus. Ich habe ja Zeit. Die Rezeption wird erst wieder ab 9:00 besetzt sein und ich muss schließlich noch meine Übernachtung bezahlen. Pünktlich, wie es sich für einen Deutschen gehört, bin ich gegen 8:45 abfahrbereit an der Rezeption. Kurz später trifft die Dame ein und ich zahle die Campinggebühr mit meiner Prepaid-Visa und bekomme meinen Ausweis zurück.
Mein Tagesziel für heute steht noch nicht fest. Ich bewege mich auf Schwedens Nebenstraße immer Richtung Norden. Der frische Wind ist noch da aber längst nicht mehr so kräftig wie in Dänemark. Die Sonne scheint und ich hoffe, bald die Waldgrenze zu erreichen, um dem Wind etwas zu entkommen.
Was einem sofort hinter Malmö auffällt ist, dass es hier tatsächlich überall die schicken roten Holzhäuser hat. Ich passiere viele kleine Siedlungen und denke mir schon jetzt dass es hier wirklich wie in Bilderbüchern ist.



Etwa 70 km später ist es dann soweit. Der Wald beginnt und der Wind ist um längen angenehmer. Die Bäume und auch Büsche tragen hier noch kein Laub und keine Triebe. Lediglich ein paar vereinzelte Büsche deuten den anstehenden Frühling an. Sogar die vielen Birken, die bei uns schon im knalligen grün erstrahlen, sind hier noch total kahl. Als Zwischenstopp habe ich für heute etwas ganz besonders geplant. Ich möchte mir die traditionelle Landwirtschaft in Rashult ansehen. Diese habe ich zuvor bei meiner kurzen Recherche entdeckt. Doch bevor ich dort ankomme muss ich für einige sehr schicke Motive stoppen.




Ich erreiche das Gehöft gegen Mittag und bin sehr überrascht. Denn der 1. Mai ist auch in Schweden der Tag der Arbeit. Es hat kaum Besucher. Lediglich vereinzelt treiben sich hier ein paar einheimische Familien herum. Die Zufahrt ist nur für Fahrzeuge mit Sonderfahrtenschein gestattet. Also stelle ich meine Transe artig auf dem Besucherparkplatz außerhalb ab. Der Fußweg ist nur etwa 500 m. An einem Gatter mit der riesigen Infotafel hängt ein Kasten mit der Bitte um eine freiwillige Spende von 20 Kronen. Ich komme den Aufruf nach und schlendere los. Es gibt drei offizielle Wege durch das Anwesen. Eine rote, eine gelbe und eine blaue Route. Ich entscheide mich für die Gelbe. Also die mittellange von etwa 2,2 km.
Als erstes kommt man an den alten Häusern vorbei. Ein kleines Wohnhaus steht offen und man kann sich die super erhaltenen Räumlichkeiten ansehen. Einige Gebäude sind noch verschlossen. Was mich schon jetzt recht stutzig macht.




Kurz später kommt man an den kleinen Feldern vorbei und der Weg führt einen durch die ganz natürliche und leicht sumpfige Landschaft. Weit und breit bin ich der einzige und bin schon gespannt, wann ich denn endlich auf die Viehhaltung stoße.
Doch nichts. Weit und breit sind lediglich Hufspuren und Hinterlassenschaften zu sehen. Als der Weg wieder Richtung Siedlung führt wird man über einen schönen kleinen Holzsteg geführt und schließlich bekomme ich doch noch ein paar freistehende kleine Pferde zu sehen. Ich warte bis endlich eines den Kopf hebt und drücke auf der Knipse ab.



Als ich wieder an der Siedlung bin gebe ich mich nicht geschlagen. Es muss hier doch deutlich mehr Vieh geben. Ich schlender zu einem Gebäude das wie ein Stall aussieht. Oben ist alles mit einem Schloss verriegelt. Doch unten in der Senke ist eine alte Türe die nur mit einem Keil verschlossen ist. Frech wie ich bin ziehe ich ihn heraus. Tada! Hier hat es Schafe und Hühner. Ich betrete den Stall und denke mir: "Das schweigen der Lämmer?" Lediglich die Hühner gackern vor sich hin und lassen sich nicht von mir stören. Die Schafe beschnuppern mich ganz neugierig und ich strecken ihnen etwas Heu entgegen. (Mensch muss ich stinken).


Weiter hinten im Stall hat es noch eine andere Rasse von Scharfen. Diese sind, als sie mich bemerken, deutlich lebhafter und nervöser. Und die Lämmchen sind total putzig!



Von meiner Neugierde befriedigt ziehe ich ab zum Moped und fahre artig weiter. Ca. 60 km weiter muss ich schon wieder stoppen. Was ist das denn hier? Wieder so ein schicker Touriort. Hier hat es eine Riesige alte Mühle. Eine Infotafel verrät mir, dass es sich um eine alte Knochenmühle handelt. Was ist das denn? Hier wurden die Knochen von Schweinen, Kühen und Co gemahlen und als Dünger für die Felder an die umliegenden Bauen verkauft.



Kurz darauf spricht mich ein Schwede an. Er ist neugierig wo ich herkomme. Wir ratschen kurz und er erzählt mir, dass der große Tourischwarm erst in ca 3-4 Wochen kommt und deshalb noch viele Campingplätze geschlossen sein werden. Dass kann ja spannend werden. Im Zweifel werde ich einfach vom Jedermannsrecht gebrauch machen.

Ich fahre weiter und genieße die schönen kleinen geschwungenen Straßen durch den Wald. Der Asphalt ist hier sowas von rau dass man eigentlich nie Angst haben muss auch nur ansatzweise den Grip zu verlieren. Hinter den unzähligen Kuppen weiß man nie genau ob es jetzt geradeaus, rechts oder links weiter geht. Wobei die Bäume es einem schon recht gut verraten. ;-) Lange Geraden hat es auch ab und an.

Und dann übersehe ich doch glatt die Zeit. Jetzt aber los und einen Campingplatz suchen. Der nächste soll etwa 3 km weiter sein. Top! Doch als ich dort ankomme ist dieser wirklich noch geschlossen. Also ab zum Nächsten. Dieser soll laut Navi nur 30 km weiter sein. Wenn der auch zu ist, beschließe ich mir einen schönen Platz in der Natur zu suchen. Ich komme dort an. Er sieht sehr gemütlich und klein aus. Nichts los. Hmmm. Was jetzt tun? Ich klingel einfach mal an dem anliegenden Wohnaus.
Kurz später öffnet mir eine Dame die Türe und ich bin erstmal total perplex als sie mich in besten Deutsch anredet. Ich frage mich noch immer woher sie das wusste. Evtl hat sie mein Kennzeichen durch das Fenster gesehen. Sie teilt mir mit, dass sie noch geschlossen hätten. Ich frage sie, warum sie so gut deutsch spricht und so erfahre ich, dass sie und ihr Mann aus Berlin stammen und vor 36 Jahren hier her ausgewandert sind. Sie erzählt mir zudem noch, dass dies hier ein besonderer Platz ist. Das kleine Wehr wurde früher genutzt um eine Möbelfabrik zu betreiben. Ihr Wohnhaus sei das Haus des Besitzers gewesen und die beiden Häuser da hinten waren die Wohnhäuser der Gesellen. Eines sei in Privatbesitz und das andere gehört dem lokalen Verein. Und schließlich gewährt sie mir mein Zelt hier aufstellen zu dürfen. Ich müsse auch nichts zahlen. Nur das Waschhaus kann ich noch nicht nutzen. Das Wasser ist hier noch abgestellt. Aber sie gibt mir die Info, dass ich das ganz neue öffentlich WC ca. 400 m weiter stressfrei nutzen Kann. Der Verein hat es ganz frisch aufgestellt.

Im Sonnenuntergang stelle ich mein Zelt auf und genieße noch einen kleinen Spaziergang rund um das Gelände am See. Zurück am Zelt kommt ihr Mann auch noch für einen Ratsch vorbei. Wirklich ein sehr nettes Paar die beiden.


Ich verkrümel mich in meinen Schlafsack und säge ein paar Bäume um. Oder Träume ich doch nur, dass ich ein Motorrad bin? :-P